Samstag, 26. Januar 2013


Krank?

Eigentlich bin ich krank!
Was man so krank nennt: Brüllhusten, der sich nicht locker husten lässt; eine sehr aktive Nase, die mich beim Lauftraining gerne überholen würde, die Ohren fühlen sich wie nach einem Tauchgang an – ich höre alles nur gedämpft und als ob das alles nicht reicht, fühlen sich meine Knochen und Gelenke an, als hätte ich drei Tage am Stück Holz gehackt! Nur Fieber habe ich keins.
Eigentlich müsste ich bei diesen Symptomen im Bett bleiben. Aber dazu kann mich noch nicht einmal meine Ärztin überreden – sie hat es auch gar nicht erst versucht.
Auch in Medizinerkreisen hat sich die gesundheitsfördernde Wirkung von Frischluft inzwischen herumgesprochen, also verordnete sie mir dann auch leichte Bewegung an der frischen Luft, selbstverständlich warm eingepackt und ständig ein warmes Getränk in erreichbarer Nähe!
So bewege ich mich auf unserem tief verschneiten Grundstück quasi in Zeitlupe zwecks Entfernung der Hinterlassenschaften meiner Pferde mit einer Spitzhacke – in der Nacht waren es -8°C, schiebe die Mistkarre langsam gemessenen Schritts Richtung Mistsammler, der oben auf dem Berg steht!

Später schlendere ich mit den Hunden unseren Wiesenweg auf und ab, weil die lieben Musnasen ja auch mal Bewegung brauchen.
Die Pferde, obwohl auf der verschneiten Weide emsig und erfolgreich auf Futtersuche, freuen sich trotzdem über eine zusätzliche Portion Heu, das ich mit Hilfe der Schubkarre auf der Wiese verteile. Alles in langsamen, meiner Befindlichkeit angepassten Tempo!
Und nun? Mich im Haus gemütlich ins Bett kuscheln? Nein, ich doch nicht – ich spüre eine relative Unruhe in den Beinen, weshalb ich diese dann auch in gefütterte Laufhosen hülle, mit den entsprechenden Winterlaufschuhen ausrüste und meinen schon ungeduldig auf und ab hüpfenden kleinen Hund an die Leine nehme und mit dem Hinweis an meinen Mann „Tammi braucht Bewegung“ von dannen schreite.

Nun, beim Schreiten bleibt es nicht: langsam, fast unmerklich gerate ich in leichtes Jogging-Tempo, was mir wirklich leicht „von den Beinen“ geht. Ehe ich mich versehe, habe ich mein normales Lauftempo erreicht und spule nun die gewohnte Strecke Richtung Sportplatz den Berg hinauf ab.

Es ist kalt, der Schnee unter meinen Füßen weich, so dass ich die 4 km, die ich zurücklege, kaum spüre. Schneller als gedacht bin ich wieder zu Hause.
Dort warten schon die Pferde auf die Abendmahlzeit.
Ich fahre mein Tempo wieder runter –schließlich muss ich mich ja schonen, verrichte die notwendigen Arbeiten, packe 8 Heusäcke für die Nacht- und Morgenmahlzeit und komme endlich ins Haus!
Hier lockt der Kamin, das Abendessen ist auch schon fertig und ich kann mich nun richtig verwöhnen lassen,
denn eigentlich bin ich ja krank…..
aber ganz offensichtlich auf dem Weg der Besserung!


Freitag, 25. Januar 2013


Herzrasen

Heute kam es wieder wie angeflogen, mein Herzrasen, von mir gelegentlich auch Herzkaschperl genannt.
Ich habe das schon seit meiner Jugend:
plötzlich, quasi ohne Vorwarnung, setzt mein Herzschlag für den Bruchteil einer Sekunde aus, um dann als stürmisches Stakkato weiterzurasen. Ich habe mal gezählt, mein Pulsschlag kommt so mit 200 bis 220 Schlägen pro Minute daher. Früher hat mich das in schiere Panik gestürzt, habe etliche Male Ärzte aufgesucht und weiß nun, dass das keine wirklich organischen Ursachen hat. Eine elektrische Reizleitungsstörung, quasi ein Kurzschluss, wurde mir erklärt. Also Ruhe bewahren!
In den Sekunden, bevor der Herzschlag pausiert, spüre ich eine Leere im Brustraum, der ich mit einer Reihe von Techniken begegne. Verschiedenes habe ich schon ausprobiert; am besten hilft, sofort die Luft anhalten, zusätzlich mit den Fäusten auf das Brustbein pressen.
Dann, wenn ich Glück habe, besinnt sich mein Herz wieder und schlägt im normalen Rhythmus weiter und ich kann weiter meinem Tagesgeschäft nachgehen. Meistens ist es dann wieder gut und ich freue mich über meinen gleichmäßigen festen Pulsschlag.
Wenn ich aber den richtigen Moment zum Luft anhalten verpasse, beginnt eine unangenehme Phase: mir wird übel und schwindelig. Ohnmächtig geworden bin ich zum Glück noch nie, aber es fühlt sich so an, als ob ich nicht weit davon entfernt bin.
Ich arbeite dann für gewöhnlich weiter, denn hinlegen geht überhaupt nicht, dann wird’s nämlich noch schlimmer, aber mein Arbeitstempo reduziere ich doch. Am besten funktioniert es, das Herzrasen einfach zu ignorieren. Dann kommt irgendwann der Augenblick, wo ich wieder ein Gefühl der relativen Leere empfinde und, wie es begonnen hat, kehrt mein Herz wieder zur normalen Frequenz zurück, das heißt, zum normalen Ruhepuls!
Anschließend bin ich müde, aber trotzdem fühle ich mich auf wundersame Weise gestärkt, so als ob ich durch den schnellen Pulsschlag eine Überdosis Sauerstoff tanke – dem ist wahrscheinlich auch so!

Für mich als Fazit ist es wichtig, meine besondere Befindlichkeit so zu akzeptieren, wie sie geschieht, also das Signal meines Körpers zu beachten und für mich zu nutzen, gleichsam achtsam mit dieser kleinen Besonderheit umzugehen.
Achtsam heißt, langsamer die alltäglichen Verrichtungen zu erledigen, inne zuhalten und durchzuatmen, auch schon mal etwas abgeben.

Und, wenn mein Herz dann unbedingt rasen will, es einfach geschehen lassen und die zusätzliche Sauerstoffdusche für meinen Energiespeicher zu nutzen.

Montag, 14. Januar 2013

Abschied


15.10.2012/Anfang Dezember 2012

10 Jahre Lüxheim!
Was wir uns nie vorstellen konnten: eine lange Zeit von 10 Jahren geht zu Ende.
Bereits im vergangenen Jahr machten wir uns im Zusammenhang mit meinem "Burn out" Gedanken darüber, ob es wirklich eine Zukunft in unserem großen Hofanwesen gibt!
Als wir uns hier einrichteten, schien alles perfekt: wir hatten für uns und unsere Familie genügend Platz, die Pferde wohnten hinterm Haus auf dem eigenen Gelände und wurden im Sommer tagsüber auf unsere hofnahen Weiden gebracht, unsere Mieter waren nett und zuverlässig.
Aber seit einigen Jahren veränderten sich die Bedingungen: die Familie vergrößerte sich, die Pferde blieben im Sommer nachts auf den inzwischen weiter weg gelegenen Weiden, weil die ortsnahen aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Verfügung standen (Bauaktivitäten, Ärger mit den Verpächtern usw.), die Mieter zogen aus - neue zogen ein und wieder aus und erwiesen sich zunehmend als unzuverlässig, fordernd und bisweilen auch zerstörend/chaotisch.
Ich begann, mich wie im Hamsterrad zu fühlen, was vor über einem Jahr dazu führte, dass ich komplett zusammenbrach und auch meine Familie an den Rand des Zumutbaren geriet.
Zudem stellten sich in Haus und Hof immer mehr Probleme heraus, die wir so vorher nicht gesehen hatten.
Nachdem auch das Umfeld immer weniger unseren Vorstellungen entsprach (die Pferdekoppel, auf die wir jahrelang schauen konnten, wich wunderschön anzusehenden Häusern; plötzlich störten die Pferde hinterm Haus die Nachbarn . . .),wir uns außerdem finanziell immer mehr aus dem Fenster lehnen mussten, um einen gewissen Renovierungsstandard halten zu können, entschlossen wir uns, Lüxheim "Lebewohl" zu sagen und uns eine andere Heimat zu suchen.
Nachdem nun bereits die ersten Umzugskartons gepackt, Vieles im neuen Domizil bereits begonnen wurde, wird nun jeder Weg hier zum Abschiedsweg!
Ein letztes Mal den Bachweg am Neffelbach entlang reiten oder laufen. .
Noch mal mit dem Fahrrad die Kemperhof-Stockheim-Runde radeln...
Mit Tammi die Felder umrunden...
Mit beiden Hunden die Wasserwerkrunde laufen...
Müddersheim-Poll-Runde usw. usw.
Die Narzissen im Garten haben Ostern zum letzten Mal für uns geblüht -diese Pracht werden wir so schnell nicht vergessen. Die Kirschen, Äpfel und Pflaumen wurden für uns reif und haben uns immer großartig geschmeckt.
Der Anblick der endlosen Felder, des weiten Himmels mit Blick bis zum weit entfernten Horizont - weit weg die Abraumhalden der Braunkohle und die dazu gehörenden Kraftwerke -das werden wir im neuen Domizil nicht sehen können!
Vieles hat sich in den letzten 10 Jahren ereignet, viele Abschiede mussten wir durchleben: Ayla, die Schäferhündin, Fusl und Charly, unsere "jungen" Katzen, die Böckchen Max und Moritz, etliche Kaninchen und Meerschweinchen; unser Gladur war der Letzte, der in diesem Frühjahr über die Regenbogenbrücke ging!
Auf dem Dorffriedhof das Grab von Heiners Mutter, das wir nun nicht mehr so häufig besuchen werden.
Aber wir haben auch gewonnen: viele Freunde, unsere Schwiegertochter, unsere Enkelin Laura! Und ein neues Mitglied in unserer Ponyherde: Skelmir, ein Geschenk unserer Freunde aus der Eifel, der nun bei uns noch hoffentlich viele Jahre teilhaben wird.

Nun beginnen wir neu: wir ziehen noch einmal ein ganzes Stück weiter in den "wilden Westen" von Köln, in die Eifel.
Zufällig - aber es gibt ja keine Zufälle! - haben wir unser neues Zuhause etliche Kilometer weiter weg von Köln gefunden. Mit der Entscheidung haben wir uns deutlich schwerer getan als mit der Entscheidung vor 10 Jahren, in die "Voreifel" zu ziehen.
Bislang dachte ich als Kölnerin, ich müsste immer in Sichtweite der Domtürme leben, aber die sehe ich schon seit 10 Jahren nur auf meinem Weg zur Arbeit. Daran wird sich nun nichts mehr ändern und ich denke, ich werd's überleben.
Ich tausche gegen den Blick über endlose Hügelketten, die dicht bewaldet den Rand des Blickfeldes säumen, wenn wir aus unseren Wohnungsfenstern schauen. So werden wir auch beim ersten Blick schon sehen, ob alle Ponys noch da sind und ob's ihnen gut geht. Das wird ein entscheidender Vorteil sein, auf den ich mich jetzt schon freue. Auch längeres Schlafen ohne den Brötchenlieferservice für die lieben Dorfmitbewohner werde ich sicher genießen!
Dann an Wochenenden nur von der Stimme unserer Enkeltochter oder vom Maunzen der Katzen oder Fiepen der Hunde geweckt zu werden.

In unserer Wohnung ist es deutlich enger als zuvor, aber wir haben festgestellt, dass wir den großzügigen Platz in Lüxheim nicht vermissen, im Gegenteil tut es gut, mit weniger aus zukommen  Weniger Fläche zum Sauberhalten und Heizen.
Die Tiere genießen die Nähe zu uns und rücken als Rudel, selbst die Katzen machen da keine Ausnahme, enger zusammen.
Wir haben uns von vielen (überflüssigen) Dingen getrennt, was einerseits schmerzlich, andererseits aber auch ein heilsamer Prozess war. Nur die wirklich wichtigen Dinge haben wir behalten – und das sind noch genug Bücher und Gebrauchsgegenstände, die Regale und Schränke füllen.

Samstag, 21. Januar 2012


Freundinnen

Vor fast einem Jahr verlor ich mit Reni meine beste Freundin!
Oft griff ich in der folgenden Zeit intuitiv zum Telefon, um sie anzurufen, wie ich es in den letzten Jahren regelmäßig zu tun pflegte, wenn mich die Ärgernisse und Herausforderungen des Alltags zu überschwemmen drohten oder einfach nur, um mal mit jemandem zu reden.
Ich konnte ihr alles erzählen, von Problemen in der Schule, mit den Kindern, oder wenn’s ums „liebe“ Geld ging.
Philosophische Betrachtungen über Ehe, Familie und das Leben an sich fanden genauso ihren Platz in unseren Gesprächen wie interessante Kochrezepte oder das „Lästern“ über KollegInnen.
Jede von uns profitierte von der anderen, ihrer Fähigkeit zu reflektieren, zu kommentieren oder einfach nur zuzuhören. Dabei kam auch die gegenseitige konstruktive Kritik nicht zu kurz!
Auch trafen wir uns regelmäßig, um unserem Leben eine positive Richtung zu geben, gemeinsam Bücher zu lesen oder Seminare zu besuchen, die wir dann miteinander im Alltag umzusetzen versuchten.
Dieses stärkte Reni in der Auseinandersetzung mit ihrer schweren Erkrankung, mich unterstützte sie bei der Durchführung meiner Projekte und beim Meistern so mancher Herausforderung.
Unsere gemeinsamen positiven Ideen und Kräfte reichten weiter als nur eine Gesprächsdauer lang. Wir hatten beide das Gefühl, dass die Energie, die wir freisetzten, uns in jeder Beziehung voranbrachte!
Nun ist sie nicht mehr da: keine Telefonate, keine Besuche zum Frühstück oder gemeinsame Saunatage in unserer Lieblingssauna!
Das Loch, in das ich fiel, war kaum vorhersehbar tief und führte mich an die Grenzen meines eigenen Lebens.
Glücklicherweise war ich nicht alleine: da war noch meine Familie und andere Menschen, die mich auffingen und mir halfen, das Leben wieder schön zu finden!
Aber mir ist bewusst, dass diese Zeit mein Leben dauerhaft verändert hat.
So suche ich neue Aufgaben, die mich zufrieden machen können.
Und ich suche eine Freundin, mit der ich all dies teilen kann, die mich unterstützt auf dem Weg zu mir selbst. Vielleicht finde ich dies aber nur in mir, denn Freundschaften entstehen in meinem Alter nicht mehr so leicht.

Sonntag, 18. September 2011

Regensonntag!

Heute scheint es Herbst zu werden, oder doch nur eine Generalprobe für das, was kommt?
Ich habe gelernt, im Hier und Jetzt zu leben - und doch fürchte ich mich vor der kalten Jahreszeit!
Nicht, weil ich schnell friere, da bin ich relativ unempfindlich und schmerzfrei, sondern die Schwere des Lebens, wenn man nicht mehr so ohne weiteres das Draußen mit ins Leben einbeziehen kann.
Also: erstmal die richtigen Schuhe suchen (Sattelkammer oder Schuhschrank?), die entsprechende Jacke gemäß des Vorhabens - Pferde/Hunde
oder mit dem Auto irgendwohin, wo man nach seiner Kleidung bewertet wird...
Regenschirm? eigentlich nur störend, lieber eine"kleidsame" Kappe oder Mütze auf die Frisur, die dadurch auch nicht besser wird.
Mit den Hunden raus oder zu den Pferden - wir richten uns nach dem Stand der Sonne, wenn sie scheint oder nach der Länge des Tages. Für die Tiere bedeutet das, länger im Stall oder Paddock eingesperrt sein, weil wir im Dunklen draußen nichts mehr sehen und man mit Kopf- oder Taschenlampe nicht den Überblick über gerissene Zäune oder offene Weidegatter haben kann.
Für uns: Pferdefutter heranschaffen - Heu haben wir bis dahin hoffentlich endlich bekommen! Die Nachtmahlzeit vorbereiten, den Mist rechtzeitig wegräumen...
Hunde müssen öfter mal abgeduscht werden - Matschfüße auf weißen Fliesen machen sich eben optisch einfach nicht so gut, Schuhe bleiben vor der Tür, wo man sie dann hoffentlich beim nächsten Mal auch wieder findet.
Sattelzeug trocknet zum Glück in der beheizbaren Sattelkammer!
Apropos heizen - jedes Jahr die Sorge: reicht das Öl, bis es wieder billiger wird? Hält die (neue) Heizung durch - da gibts trotzdem immer mal wieder Überraschungen! Man glaubt ja nicht, was an so einer Heizung alles ausfallen kann, vor allem an Feiertagen wie Weihnachten oder Neujahr!
Insgesamt haben wir mehr Arbeit in der kürzeren hellen Tageszeit - dafür aber längere Abende: gemütlich im warmen kuscheligen Haus -lesen, schreiben, fernsehen, gemeinsam essen, und viel länger miteinander reden oder einfach in Ruhe alleine für sich oder gemeinsam schweigen! Vielleicht auch das ein oder anderer aufräumen, reparieren oder aufarbeiten.
Also wieder im Hier und Jetzt ankommen.
Das was ich in den letzten Monaten in der Klinik gelernt habe, werde ich hoffentlich anwenden können, hoffe auch, dass mich der Alltagstrott nicht vergessen lässt, wie gut mir das Alles tut.
Jeden Tag von Neuem starten, gedanklich vorplanen und abends meditativ bewahren!
Und Danke sagen!
P.S.
ein Herbstspaziergang am Nachmittag wurde dann doch noch zum Spätersommerspaziergang!

Freitag, 16. September 2011

Abgetaucht!

Einige fragen sich, wo ich in den letzten 7 Monaten abgetaucht war!
Nun, da ich wieder aufgetaucht bin, werde ich versuchen, etwas zu erklären, zu klären, zu reflektieren...
In den letzten Jahren nahmen meine Aktivitäten stetig zu, so war auf jeden Fall mein Eindruck, ohne dass ich daran etwas hätte ändern können. Teilweise sah ich diese Zunahme noch nicht einmal, teilweise wählte ich bewusst den Weg der Anstrengung.
Damit meine ich vor allem die körperlichen Herausforderungen, denen ich mich stellte: ich begann zu joggen. Die Strecken wurden immer länger, die Bewunderung meiner Familie und meiner Freunde immer größer - schließlich gipfelte mein Triumph im Finishing zweier Marathonläufe! Dazwischen kürzere Strecken, Halbmarathon, 10km, 16 km und natürlich die langen Trainingsläufe, bei denen ich unsere schöne Landschaft zu Fuß erkundete.
Ich habe dies auch sehr genossen und hätte sicher weiter meine Grenzen ausprobiert, wäre da nicht noch der ganz alltägliche Wahnsinn gewesen: die Schule mit einem anspruchsvollen "Full-time-Programm", das sich nicht nur auf Unterrichten beschränkte, sondern Eltern- und Schülergespräche, Gutachten und Zeugnisse schreiben beinhaltete, nicht zu vergessen die Begleitung meiner Schüler auf dem Weg in ein angemessenes Berufsleben und die Betreuung entsprechender Praktika.
Dazu kam noch, viele von euch wissen es, das Managen von Haus, Hof, Familie und unserer großen Tierschar.
Vor über einem Jahr wurde ich zudem noch Großmutter und erlebe seitdem das Aufwachsen unserer Enkelin, die mit ihren Eltern im gleichen Haus wohnt, hautnah mit!
Irgendwann, im letzten Winter bekam ich immer mehr Rückmeldungen über meine mangelnde Gelassenheit, zunehmende Dünnhäutigkeit und Gereiztheit, was sonst bei mir eher selten war.
Ich selber merkte zu diesem Zeitpunkt kaum noch etwas, funktionierte nur noch nach Schema "F" und versuchte das über den Kopf wachsen der vielfältigen Aufgaben mit verstärktem Bewegungsdrang zu kompensieren. Oft wurde ich gefragt, wovor ich flüchten würde, ohne dass mir der Fluchtcharakter meiner Aktivitäten aufgefallen wäre.
Verschiedene Ereignisse, wie eine drohende schwere Erkrankung unserer Enkelin, der Tod meiner besten Freundin, Mobbingattacken im Beruf und seitens unserer Mieter, denen ich normalerweise gelassener begegnet wäre, ließen die Nerven auch für mich spürbar dünner werden.
Dann kam der Tag, Ende März, an dem ich in der Schule plötzlich einen Hörsturz bekam, dem kurz später auf dem anderen Ohr ein zweiter folgte. Ich schleppte mich noch so gerade durch den quälend langen Schultag, bevor ich auf dem Nachhauseweg meine Arzt aufsuchte.
Die Ursache für den Zusammenbruch erforschte er auch recht schnell: "Sie müssen mal einige Zeit raus aus allem" empfahl er, und "Machen Sie mal eine Zeit lang nur schöne Sachen!"
Was gab es denn für "schöne" Sachen? Erschreckt stellte ich fest, dass mir alles zu lästig, zu viel, zu anstrengend, zu grau vorkam! Was war nur aus meiner Fröhlichkeit, meinem Optimismus und meiner positiven Zukunftssicht geworden?
Nun gut, einige Dinge mussten auch trotz "Dienstunfähigkeit" erledigt werden. Da war der Brötchenlieferdienst für den Laden meines Sohnes, der mich zumindest "zwang", morgens aufzustehen. Die Pferde mussten weiter versorgt und geritten werden, obwohl meine sensibelstes Reittier mir öfter die Zusammenarbeit verweigerte, schien er doch meine düstere Stimmung zu bemerken und sie sofort als Unsicherheit zu deuten.
So funktionierte ich im Alltag weiter, inzwischen stark von meinem Mann entlastet, der mit der Situation fast genauso überfordert war wie ich selbst.
Woche um Woche vergingen, die Osterferien näherten sich dem Ende und ich geriet zunehmend in Panik bei dem Gedanken, nach den Ferien wieder zur Schule gehen zu müssen und irgendwie auch zu wollen!
Ich ging mit mir selbst hart ins Gericht, hielt ich meine Haltung doch für ausgemachte Faulheit: Ferien ohne Ende, wer wird da nicht schwach?
Da mit der Annäherung des ersten Schultages die Panik immer größer wurde, bemerkte ich, dass ich aus diesem "Loch" alleine nicht herauskommen würde und beschloss, unterstützt und ermuntert von meiner Familie, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das war aber gar nicht so leicht. Einige Adressen, die mir mein Hausarzt in die Hand drückte, telefonierte ich ab und stellte fest, dass ich mir meine Probleme langfristig hätte planen sollen, denn eine Wartezeit von mehreren Monaten ist bei Psychotherapeuten keine Seltenheit. Entsprechende Ansagen auf Anrufbeantwortern, gekrönt von dem Wunsch eines Therapeuten, doch bitte einen schriftlichen Antrag zu stellen, verwirrten und verärgerten mich zunehmend!
Gar nicht zufällig stieß ich bei Recherchen im Internet zum Thema "Burnout" immer wieder auf den Chefarzt einer Bonner Privatklinik, der kürzlich im Fernsehen seine Meinungen zum Thema erläuterte und auch ein Buch dazu veröffentlicht hatte.
So fasste ich mir ein Herz und rief in der besagten Klinik an. Dort nahm man sich sofort die Zeit, mir am Telefon zuzuhören und gab mir innerhalb von 10 Tagen einen Termin für ein Erstgespräch! Endlich fühlte ich mich ernst genommen und trat guten Muts den langen Weg nach Bonn an.
Das Gespräch mit meiner zukünftigen Therapeutin eröffnete mir dann zwei Möglichkeiten: entweder 2 bis 3 Monate stationären Aufenthalt in der Klinik oder einen Platz in der neu eröffneten Tagesklinik, die ca. 2 Wochen später starten sollte.
2 bis 3 Monate von zu Hause weg, das erschreckte mich und so entschied ich mich für den Tagesplatz, was bedeutete, dass ich ab Ende Mai täglich die knapp 60 km lange Strecke nach Bonn hin und zurück fahren würde.
Aus den zunächst geplanten und von Krankenkasse und Beihilfe bewilligten 4 Wochen wurden dann gut 3 Monate, was mir, vorher gewusst, sicherlich Bauchschmerzen beschert hätte, aber ich gewöhnte mich an die Fahrerei und habe sie ohne Unfälle und Strafzettel überstanden. Nachdem ich mich nach häufigem Ärgern über den morgendlichen Stau eine wunderbare Variante komplett auf der Landstraße entdeckt hatte, konnte ich die Zeit sogar für mich nutzen: Kaffee und Brötchen am Morgen während der Fahrt genossen, nachmittags meine Lieblingssendung oder tolle Musik gehört, so war die Stunde regelmäßig auch ein Eckpunkt auf dem Weg zu mir, sprich in die Klinik, und wieder in den Alltag, nach Hause!
Überhaupt war die achtsame Rhythmisierung des Tages ein wichtiger Bestandteil der TCM - orientierten Therapie, die das Kernstück der Arbeit der Klinik ausmachte.
Morgens begann der Tag mit Qi-Gong,
danach schlossen sich immer Gruppenstunden (wir waren mehrere Patienten) als Körper- oder Psychotherapie, danach die Einzelanwendungen: Psychotherapie, Craniosakraltherapie, Akkupunktur, Tuina im wohldurchdachten Wechsel an.
Dazwischen immer wieder Zeit zur freien Verfügung, die ich anfangs fast nur schlafend verbrachte. Ich hatte das Gefühl, einmal mit mir selbst konfrontiert, nur noch schlafen zu wollen. Die Therapien strengten mich offensichtlich mehr an, als ich mir jemals vorstellen konnte.
Nach 2 bis 3 Wochen begann ich, auch die Umgebung zu genießen. Die Tagesklinik befindet sich nicht, wie das so genannte Haupthaus in Bad Godesberg, sondern in Bonn am Oberkasseler Ufer. Dort nahm ich mein Joggingprogramm wieder auf oder setzte mich einfach bei schönem Wetter an den Rhein und las leichte Literatur.
Irgendwie kam ich mir vor wie auf einer Insel, aber eher auf der Robinsoninsel!
Gelegentlich, wenn ich Kontakt mit Menschen aus dem "richtigen" Leben hatte, fragte man mich, ob ich denn auch gut ausgeruht und entspannt sei, was mich immer wieder ins Grübeln brachte, ob ich vielleicht etwas falsch machte.
Ich fand die Zeit eher anstrengend, hatte das Gefühl, als höbe ich den Teppich auf, unter den ich jahre- bzw. jahrzehntelang alle aufkommenden Probleme geschoben hatte.
Nun, nachdem ich ein Problem angegangen hatte, entdeckte ich, dass dieses untrennbar mit anderen Problemen verwoben war, die nun auch bearbeitet werden wollten. Es nütze also nichts, die Stolpersteine im Beruf oder im privaten Umfeld isoliert zu betrachten. Ich kam mir vor wie die antike Pandora, die, einmal ihre Büchse geöffnet, nun den Deckel nicht mehr zu bekam!
Aber wie in der griechischen Mythologie war da noch die Hoffnung, die mich durchhalten ließ und so traute ich mir nach 3 Monaten den Schritt ins richtige Leben zurück zu!
Nun versuche ich, meinen Alltag nicht wieder so zuzuplanen, mir täglich kleine Inseln zu schaffen, bewusst inne zu halten, zu entschleunigen und stelle fest, dass ich längst nicht mehr soviel schaffe wie früher!
Der Schrecken darüber weicht aber der Freude über mehr Lebensqualität, der Hoffnung, die Dinge des Alltags auch wieder genießen zu können.
Ich lasse jetzt schon mal Sachen liegen, öffne die Post grundsätzlich nicht am Abend, lese meine Mails nicht nach 21:00 Uhr, schalte überhaupt den PC spätestens um 21:30 Uhr ab. Meine Pferde dürfen nun auch mal freie Tage genießen, auch wenn sie diese dann gelegentlich anders nutzen als wir uns das vorstellen (Zäune müssen natürlich unsere "Wandervögel" von ungeplanten Ausflügen abhalten!).
Ich mache mich gelegentlich unbeliebt, wenn ich Wünsche abschlage oder mich aus Geselligkeiten zurückziehe, weil ich jetzt gerade mal wieder Zeit zum Durchatmen oder Ausruhen brauche, aber für Beliebtheit auf Kosten meiner Gesundheit kann ich mir nichts kaufen!
Ich habe wieder angefangen zu joggen, weil ich merke, dass ich den dosierten Hormonkick gegen trübe Gedanken und Gefühle brauche, aber einen Marathon werde ich sicher nicht mehr laufen. mal sehen, ob hin und wieder ein "Halber" gelingt!
Nun geht’s in zwei Wochen in die Schule, mit einem hoffentlich gut durchdachten Wiedereingliederungsprogramm. Das macht mir zugegebenermaßen noch die meisten Bauchschmerzen, vor allem, weil für mich als Lehrerin außer Unterrichten keine Alternative existiert. Da würde ich mir etwas mehr Flexibilität durch Vater Staat, sprich die Bezirksregierung, wünschen.
Aber vielleicht gelingt mir ja der Komplettausstieg etwas früher als vorgesehen, vorstellen könnte ich mir das schon!

Was an Erfahrung dazu gekommen ist?
Ein klarer Tagesrhythmus hilft mir über unvorhergesehenen Belastungen hinweg!
Sich nie länger als eine Minute ärgern!
Regelmäßiger Sport sorgt für einen ausgewogenen Hormonpegel!
Kleine Inseln schaffen im Alltag ein gewisses Urlaubsgefühl!
Eine Liste der Dinge machen, die unbedingt während des Tages erledigt werden müssen - davon ein Drittel wegstreichen - der Rest reicht meistens auch noch!
Management delegieren - ich muss nicht alles selbst machen oder beaufsichtigen!
Meine körperlichen Symptome freudig begrüßen, sie weisen mich auf drohende Überlastung hin!


...und einfach mal nichts tun!






Samstag, 19. Februar 2011

Spaß mit Islandpferden

so heißt unser neues Pferdekinderprogramm, das wir heute Nachmittag zum ersten Mal an den Start brachten.
Wir wollten einerseits den „großen“ Reiterkindern, die teilweise schon ein paar Jahre hier auf dem Hof reiten, die Gelegenheit geben, sich in Umgang mit den Ponys zu üben, andererseits wollten wir vor allem den Nachbarn und anderen Familien mit kleinen Kindern unsere Pferde etwas näher bringen und zeigen, wie wir hier mit Pferden und Kindern arbeiten.
Ein willkommener Anlass war dies auch, um Hof und Stall mal wieder so richtig aufzuräumen und zu kehren. Das schon alleine hat einen Riesenspaß gemacht!
Dann kamen die Gäste, es waren insgesamt 11 Kinder mit einigen Erwachsenen, die sich neugierig zwischen die Ponys stellten und keinerlei Berührungsängste zeigten.
Die Ponys waren zunächst ziemlich skeptisch ob dieses Menschenandrangs ausgerechnet zur schönsten Mittagsruhezeit, ließen sich aber schnell auf das Ponywellnessprogramm ein, als da wäre: Putzen, Haare auskämmen, Mähne bürsten und flechten, Hufe auskratzen und bürsten und das meistens von drei Kindern gleichzeitig! Was will Pony mehr?
Jedes Kind pflegte sein Lieblingspony, zum Glück passt das fast immer, und durfte zuerst auch ein paar Runden ohne Sattel und nur mit Halfter reiten, ehe die kleinen Gäste auch aufs Pferd konnten. Da gab’s dann schon einige Probleme, sehen die Pferde aus der Nähe doch für kleine Menschen sehr beeindruckend und riesig aus, so dass das ein oder andere Kind doch lieber auf Mamas oder Papas Arm blieb.
Aber da es bei uns ja auch noch Schafe zu betrachten gibt, außerdem im Garten ein großes Feuer brannte, gab es auch so noch viel zu sehen und zu erleben.
Unsere Hunde tobten über die Wiese und ließen schon ein bisschen Frühlingsgefühle wach werden, die durch die bereits durch den Anblick der durch die Grasnarbe spitzenden Narzissen verstärkt wurden.
Zu guter Letzt zogen aus dem Süden wiederkehrende Wildgänse über unser Dorf und weckten in uns die pure Vorfreude auf die nun (hoffentlich) beginnende wärmere Jahreszeit!
Im Hof wurde zum Schluss noch heißer Tee und leckerer Kuchen genossen, die Überraschungseier, die unser Sohn aus seinem Laden spendierte, fanden reißenden Absatz und alle verabschiedeten sich zufrieden und mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen.
Ach ja, und die eifrigsten Reiterkinder wurden beinahe vergessen, weil sie bei den Ponys im Paddock noch endlos lange Streicheleinheiten verteilten!
Wir nehmen uns vor, dass dies nicht das letzte Fest dieser Art gewesen ist, in drei Wochen wollen wir ein kleines Karnevalsfest mit Kostümreiten veranstalten und hoffen, bei einem Ausritt viel Spaß zu haben!